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SAVVY fragt nach: Warum kommt der online Handel mit Lebensmitteln bei uns nicht in Schwung?

E-Commerce ist der bestimmende Trend im Einzelhandel – weltweit und natürlich auch in Deutschland. Nach starkem Wachstum in den letzten Jahren prognostiziert der Handelsverband Deutschland (HDE) einen E-Commerce Umsatz von 44 Milliarden für Deutschland in 2016. Während wir bereits heute vor allem Kleidung, Bücher und Elektronikartikel im Internet bestellen, wird der online Einkauf von Lebensmitteln bisher kaum von den deutschen Verbrauchern angenommen.

Fakt ist, dass deutsche Konsumenten sehr zurückhaltend sind, beim Kauf von Lebensmitteln im Internet. Fakt ist jedoch auch, dass trotz dieser Zurückhaltung das online Marktpotential von Lebensmitteln und Drogerieartikeln enorm ist, entfallen doch fast die Hälfte der Konsumenten-Ausgaben auf diese Kategorien (Quelle: GfK Sortimentskaufkraft 2014).

Für Deutschland schätzt das statistische Bundesamt für 2015 die Ausgaben für Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren auf 211 Mrd. €. Ein kleiner Teil dieses großen Kuchens würde den gesamten E-Commerce Markt beflügeln.

Grund genug für SAVVY Research die Menschen zu befragen, die sich so vehement gegen online Einkäufe von Lebensmitteln wehren, die deutschen Konsumenten.

Die folgenden Ergebnisse entstammen unserer letzten Befragung im Oktober 2016, bei der wir 504 Konsumenten bevölkerungsrepräsentativ befragt haben.

64% der Konsumenten haben noch nie Lebensmittel online bestellt.

Demnach haben bisher lediglich 36% der Deutschen überhaupt jemals Lebensmittel im Internet bestellt, hiervon 3% nicht innerhalb der letzten 12 Monate und 17% waren Probierkäufer mit 1-2 Einkäufen/Jahr.

Regelmäßig (mehr als 3 Mal pro Jahr) kaufen nur 16% aller Haushalte Lebensmittel im Internet ein. Demgegenüber stehen 64% der Haushalte, die Angaben noch nie Lebensmittel im Internet bestellt zu haben.

SAVVY Research Lebensmitteleinkauf im Internet

Quelle: SAVVY Research: Lebensmitteleinkauf im Internet

Deutschland ein Lebensmittelparadies?

Mittels zweier offener Fragen wurden des Weiteren die Gründe eruiert, warum noch nie oder nicht häufiger Lebensmittel im Internet eingekauft wurden.

Die häufigsten Gründe von Käufern, die noch nie Lebensmittel im Internet eingekauft haben sind:

1.) Die Konsumenten möchten sehen, fühlen und anfassen, was sie kaufen.
2.) Weil sie eine Einkaufsstätte in unmittelbarer Nähe haben.
3.) Die Konsumenten sehen keine Vorteile im online Kauf im Vergleich zum stationären Kauf.

Die genannten Punkte spiegeln deutlich die angenehme Situation deutscher Konsumenten wider jegliche Lebensmittelangebote in guter Qualität, preislich attraktiv und ortsnah verfügbar zu haben. Warum sollte man sich also nach Alternativen umsehen?

Auch für seltene online Käufer sind diese Punkte relevant, Probleme frische Produkte zu bekommen und Probleme mit und bei der Lieferung sind jedoch wichtiger.

Als generell zu teuer empfinden nur 8% der nicht online Käufer und 13% der Selten Käufer (1-4 Lebensmittel online Käufe im vergangenen Jahr) die Angebote im Internet. Preisliche Überlegungen sind also seltener Hemmschuh für den online Kauf.

SAVVY Research Lebensmitteleinkauf im Internet

Quelle: SAVVY Research: Lebensmitteleinkauf im Internet

Nur von einem kleinen Teil der Nicht-Käufer als Beweggründe genannt wurden ökologische Gesichtspunkte und der Wille Verpackungsmüll zu sparen (2%), keine online Angebote zu kennen (2%) oder der Aspekt den lokalen Handel unterstützen zu wollen (2%).

Lebensmittel online: Nische oder Mainstream?

Fassen wir die Situation zusammen. Aufgrund des enormen Marktpotentials dieser Kategorie stehen alle großen Handelsunternehmen in den Startlöchern oder bieten bereits heute Lebensmittel online an. Lidl, Rewe, Edeka und Co. können es sich schon aufgrund der Tatsache, dass Logistik-Experten wie Amazon oder die Deutsche Post (mit Allyouneed), Ihnen mehr und mehr das Wasser in angestammten Gefilden abgrasen, nicht leisten die Hände in den Schoß zu legen.

Bisher ist der verwöhnte deutsche Lebensmittelkonsument zurückhaltend in der Annahme dieser neuen Angebote. Genutzt wird bisher, was einen offensichtlichen Mehrwert liefert, so z.B. das Breite Amazon Sortiment bei Spirituosen und anderen Kategorien. Auch lassen sich die beiden Hauptgründe für ein Nicht-Annehmen der online Angebote schwer entkräften. Der online Handel bietet nicht die Möglichkeit, Lebensmittel in die Hand zu nehmen, daran zu riechen und die Qualität zu prüfen, wie ein Besuch auf dem Wochenmarkt. Außerdem hat Deutschland eines der bestausgebauten Lebensmittel-Filialnetze in Europa, weswegen sich Konsumenten hierzulande bestens versorgt fühlen.

Natürlich werden zukünftig mehr Menschen Lebensmittel online kaufen. Die Umsätze werden sich Vervielfachen von einem bislang sehr niedrigen Niveau. Nielsen veröffentlicht für 2015 einen Anteil von unter 1% für die erfassten Warengruppen und ein Wachstum von +27% auf 808 Mio. €.

Ob zukünftig Online-Marktanteile von etwa 10%, wie für Babyartikel oder Uhren und Schmuck, oder eher 20%, wie für Technik und Bücher realistisch sind, bleibt abzuwarten.

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